Energiedatenreport der Energiegemeinschaft Perg 2025 – Download
Ausstieg aus fossiler Energie in 10 Jahren – Kann Österreich das schaffen?
Die Diskussion rund um Klimaschutz und Energiewende wird oft entweder zu optimistisch oder zu pessimistisch geführt. Die einen glauben, ein paar Solarpanels und Elektroautos würden reichen. Die anderen halten einen weitgehenden Ausstieg aus fossiler Energie grundsätzlich für unmöglich. Die Realität liegt dazwischen. Ja – Österreich kann seine fossile Abhängigkeit in den nächsten 10 Jahren massiv…

Ein realistischer Blick auf die Energiewende bis 2036
Die Diskussion rund um Klimaschutz und Energiewende wird oft entweder zu optimistisch oder zu pessimistisch geführt. Die einen glauben, ein paar Solarpanels und Elektroautos würden reichen. Die anderen halten einen weitgehenden Ausstieg aus fossiler Energie grundsätzlich für unmöglich.
Die Realität liegt dazwischen.
Ja – Österreich kann seine fossile Abhängigkeit in den nächsten 10 Jahren massiv reduzieren.
Aber:
Das gelingt nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern nur durch einen tiefgreifenden Umbau des gesamten Energiesystems.
Wo stehen wir heute?
Österreich verbraucht derzeit grob:
- rund 330 TWh Primärenergie
- davon etwa 200 TWh fossile Energie
- und etwa 130 TWh erneuerbare Energie
Der aktuelle Stromverbrauch liegt bei rund:
- 63 TWh pro Jahr
Die größten fossilen Blöcke sind:
- Öl (vor allem Verkehr)
- Gas (Heizen und Industrie)
- kleinere Restmengen Kohle
Die Herausforderung ist also deutlich größer als nur „mehr Ökostrom zu bauen“.
Warum man fossile Energie nicht 1:1 ersetzen muss
Ein entscheidender Punkt wird oft missverstanden:
200 TWh fossile Energie bedeuten nicht automatisch, dass Österreich zusätzlich 200 TWh Strom erzeugen muss.
Warum?
Weil ein elektrisches System deutlich effizienter ist.
Beispiel Heizen
Eine Gasheizung erzeugt aus:
- 1 kWh Gas → etwa 1 kWh Wärme
Eine Wärmepumpe erzeugt aus:
- 1 kWh Strom → etwa 3–4 kWh Wärme
Beispiel Verkehr
Ein Verbrennungsmotor verliert einen großen Teil seiner Energie als Wärme.
Ein Elektroauto benötigt daher deutlich weniger Energie für dieselbe Strecke.
Die Energiewende ist daher nicht nur ein Ersatzprojekt – sondern vor allem ein Effizienzprojekt.
Wie hoch könnte der Strombedarf 2036 sein?
Viele offizielle Szenarien rechnen eher konservativ.
Wenn man jedoch berücksichtigt:
- Elektromobilität
- Wärmepumpen
- Industrie-Elektrifizierung
- KI und Rechenzentren
- Wasserstoffproduktion
- steigenden Gesamtstrombedarf
erscheint ein zukünftiger österreichischer Strombedarf von:
etwa 115–130 TWh pro Jahr
realistisch und robust geplant.
Das bedeutet:
- fast eine Verdoppelung des heutigen Stromsystems.
Woher soll die Energie kommen?
Ein zukünftiges Energiesystem wird nicht aus einer einzigen Quelle bestehen.
Österreich braucht einen Mix aus:
Wasserkraft
Die Wasserkraft bleibt das Rückgrat des Systems.
Sie liefert:
- stabile Energie
- Regelbarkeit
- Speicherfähigkeit
Windkraft
Wind wird zur wichtigsten zusätzlichen Energiequelle.
Vor allem im Winter.
Das ist entscheidend:
Denn genau dann ist der Strombedarf am höchsten.
Photovoltaik
PV liefert große Mengen günstigen Sommerstroms.
Vor allem auf:
- Dächern
- Parkplätzen
- Gewerbeflächen
- Infrastrukturflächen
Speicher
Speicher werden in Zukunft genauso wichtig wie die Stromerzeugung selbst.
Die drei Speicher-Ebenen der Energiewende
1. Batterien
Für:
- Minuten bis Stunden
- Netzstabilität
- Tag/Nacht-Ausgleich
2. Pumpspeicher
Für:
- Stunden bis Tage
- Wind- und Wasserausgleich
Österreich hat hier bereits eine sehr starke Ausgangslage.
3. Saisonale Speicher
Das eigentliche Winterproblem lässt sich weder mit Batterien noch mit Pumpspeichern allein lösen.
Dafür braucht es:
- Wasserstoff
- Biomethan
- synthetische Gase
Diese sogenannten „grünen Moleküle“ dienen als saisonale Reserve.
Wie viel Ausbau wäre notwendig?
Ein robustes 2036-Szenario könnte ungefähr so aussehen:
| Energiequelle | Heute | 2036 |
|---|---|---|
| Wasserkraft | ~30 TWh | 30–35 TWh |
| Wind | ~9 TWh | 35–40 TWh |
| PV | ~8 TWh | 25–30 TWh |
| Biomasse etc. | ~5 TWh | 5–10 TWh |
Das würde bedeuten:
Windkraft
- +30 TWh
- etwa 1.500–1.800 zusätzliche moderne Anlagen
Photovoltaik
- +20 TWh
- etwa +22–25 GWp zusätzliche Leistung
Braucht das nicht riesige Flächen?
Erstaunlicherweise: nein.
25 GWp Photovoltaik würden grob:
- etwa 150–250 km² Projektfläche benötigen
Österreich hat jedoch:
- rund 83.879 km² Gesamtfläche
Das entspricht also nur:
- etwa 0,2–0,3 % der Landesfläche.
Zusätzlich kann ein großer Teil auf bereits versiegelten Flächen installiert werden.
Die eigentliche Herausforderung sind daher weniger die Flächen selbst, sondern:
- Genehmigungen
- Netzanschlüsse
- Akzeptanz
- Ausbaugeschwindigkeit
Der Winter bleibt die größte Herausforderung
Die Energiewende entscheidet sich nicht im Sommer – sondern im Winter.
Denn im Winter treffen mehrere Probleme gleichzeitig aufeinander:
- wenig Sonne
- hoher Heizbedarf
- hoher Stromverbrauch
Deshalb braucht Österreich:
- deutlich mehr Windkraft
- große Speicher
- flexible Lasten
- Reservekapazitäten
- ein stabiles europäisches Stromnetz
Ohne Winterstrategie wird ein fossilarmes System nicht funktionieren.
Was bedeutet das für Energiegemeinschaften?
Gerade regionale Energiegemeinschaften können ein zentraler Teil der Lösung sein.
Sie helfen:
- lokale Erzeugung auszubauen
- Strom regional zu nutzen
- Netze zu entlasten
- Akzeptanz zu erhöhen
- Bürger aktiv einzubinden
Die Energiewende wird nicht nur von großen Kraftwerken entschieden.
Sie wird auch in Gemeinden, Regionen und lokalen Energiegemeinschaften umgesetzt.
Fazit
Ein weitgehender Ausstieg aus fossiler Energie bis 2036 ist:
- technisch möglich
- wirtschaftlich sinnvoll
- aber nur mit massivem Ausbau von Infrastruktur erreichbar.
Österreich braucht dafür:
- mehr Windkraft
- mehr Photovoltaik
- mehr Speicher
- mehr Netze
- mehr Elektrifizierung
- und vor allem mehr Geschwindigkeit.
Die entscheidende Erkenntnis lautet:
Nicht fossile Energie ersetzen – sondern ein neues Energiesystem aufbauen.
Und genau darin liegt die eigentliche Aufgabe der nächsten zehn Jahre.
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